
W&V Future Summit Print:
Wie die "FAZ" mit Print-Neugründungen Erfolg hat
Neugründungen in Print, auch wenn sie auf auf klassischen Geschäftsmodellen basieren, können in der von digitalen Medien überrollten Gegenwart nach wie vor erfolgreich sein – auch gerade deswegen, zeigen die Modelle der "FAZ".

Foto: FAZ
Neugründungen in Print, auch wenn sie auf auf klassischen Geschäftsmodellen basieren, können in der von digitalen Medien überrollten Gegenwart nach wie vor erfolgreich sein – auch gerade deswegen. Wie das funktioniert, zeigte Hannes Ludwig, Bereichsleiter Neue Geschäftsfelder Frankfurter Allgemeine Zeitung und Geschäftsführer Frankfurt Business Media, beim W&V Future Summit Print.
Für die Frankfurter stellt das Jahr 2016 bislang den Höhepunkt einer Innovationsoffensive dar. Sechs neue Objekte gingen an den Start, davon drei Print-Titel: Im April startete die "FAZ Woche", im Juni folge das regionale Wirtschaftsmagazin "FAZ Metropol" und im November gesellte sich noch das lifestylige "FAZ Quarterly" in den Regalen hinzu.
Sie alle, so Ludwig, haben wichtige Ziele erreicht, teilweise auch übertroffen.
Im Überblick
"FAZ Woche"
Ein – der Name deutet es an – wöchentlich erscheinender Titel, der schnell und übersichtlich die wichtigsten Themen der Woche einordnet. Produziert von einer kleinen Kernredaktion, die aber auf das komplette "FAZ"-Netzwerk zugreifen kann.
Ziel: Sie sollte in erster Linie die jüngere Zielgruppe zur Marke zurückholen. Für die "FAZ" bedeutet das: Leser unter 50 Jahren.
Resultate:
Lesermarkt: Die durchschnittliche verkaufte Auflage liegt bei 40.000 Exemplaren, rund 10.000 Abonnenten beziehen das Heft regelmäßig. Laut Grosso rangiert die "Woche" bei den aktuellen Wochentiteln derzeit auf Rang 6. Zwei Drittel der neuen Nutzer sind jünger als 50 Jahre. Zugleich werden ehemalige "FAZ"-Leser für die Marke zurückgewonnen.
Anzeigen: 30 Prozent der Anzeigenkunden sind Neukunden für die "FAZ", zwei Drittel sind zugleich andere Kunden als die übliche Klientel der Wettbewerber. Folge: Es gibt für Print immer noch neue Kunden mit frischen Budgets.
"FAZ Metropol"
Ein sechsmal jährlich erscheinendes Wirtschaftsmagazin, das thematisch in erster Linie die Region Frankfurt/Rhein-Main bedient. Publiziert wird das Heft (Auflage: 20.000) von der Wirtschaftsredaktion der "Rhein-Main-Zeitung".
Ziel: den regionalen Wirtschaftsraum außerhalb des Ballungsraums Frankfurt besser abdecken
Resultate:
Lesermarkt: - wirkt identitätsstiftend und bewirkt eine regionale Verankerung bei der B2B-Zielgruppe. Zahlen: Noch keine Angaben, zumal ein Teil der Auflage direkt kostenlos an ausgewählte Größen der Wirtschaft geschickt wird.
Anzeigen: - mehr als 90 Prozent der Einnahmen stammen aus frischen Budgets im B-to-B-Bereich
"FAZ Quarterly"
Ein Magazin, das vierteljährlich Denkanstöße zu Lifestyle- und Gesellschaftsthemen geben soll. Wurde gemeinsam mit dem Monopol- und Monocle-Erfinder Tyler Brûlé entwickelt. Auflage: 75.000 Exemplare. Ein Premium-Produkt, bei dem auch stark auf Haptik geachtet wird.
Ziel: Die DNA der FAZ auch in einem Bereich außerhalb der klassischen Zeitung sichtbar machen.
Resultate:
Lesermarkt: Zwei Wochen nach dem Launch waren die Verkaufserwartungen bereits erfüllt. Aus dem Handel kamen 1500 Nachbestellungen.
Anzeigen: Zwei Drittel der Buchungen stammt aus neuen Anzeigenbudgets; insgesamt verbucht der Verlag 30 Prozent Neukunden für "Quarterly".
Fazit
Die gedruckte Tageszeitung, so Hannes Ludwig, wächst langsam aber sicher aus der Gesellschaft heraus. Bei der "FAZ" etwa gebe es nur noch in der Altersgruppe der über 70-Jährigen Reichweitenzuwächse – einfach deswegen, weil die Menschen unter anderem aufgrund besserer medizinischer Versorgung länger in der Lage seien, Zeitung zu lesen. Aber Print schaffe - insbesondere in der Ära von Fake-News - Vertrauen, vermittle Qualität und habe einen wert.
Und, noch ein wichtiger Aspekt: Es sei ein abgeschlossenes Produkt – und erzeuge als solches eine andere, höhere Zahlungsbereitschaft.