
ARD-Recherche:
Noch mehr Ärger um Kliemann: Pfusch bei NFTs
Nach dem Beginn der Ermittlungen wegen des Maskenskandals, drohen dem Influencer nun auch Schadenersatzforderungen, weil er sich bei einer NFT-Auktion nicht an seine eigenen Bedingungen gehalten habe. Auch hier ging es um viel Geld.

Foto: Screenshot Youtube | Fynn Kliemann
Fynn Kliemann hat ja so ungefähr alles gemacht... Webdesign, Musik, Youtube-Videos, Kleidung, Masken und und und. Klar, dass sich der Unternehmer auch im Bereich Krypto engagiert hat. Im März 2021 versteigerte er 100 eigens für die Auktion kreierte NFT-Kunstwerke aus der digitalen Kooperation mit dem Produzenten Philipp Schwär. "JingleBe NFT Collection" hieß das Projekt damals. Ein:e anonym:e Bieter:in ausgerechnet namens Jan Böhmermann ersteigerte gleich sieben der digitalen Musikstücke. 215.000 Euro soll Kliemann nach dem damaligen Ethereum-Kurs an dem Auktionswochenende eingenommen haben. Nun kam raus: Auch hier wurde möglicherweise gepfuscht, denn Kliemann soll sich laut Recherchen des ARD-Magazins Kontraste nicht an seine eigenen Auktionsbedingungen gehalten haben. Nun drohen sogar Schadenersatzforderungen
Bis zu 68.000 Euro mehr eingenommen
Im Vorfeld der Auktion im März 2021 gab Kliemann dem Branchenmagazin t3n ein ausführliches Interview. Schließlich betrete er mal wieder Neuland. Die Auktion Anfang 2021 lief drei Tage, laut der Ausschreibung der "JingleBe"-Webseite sollte zum Auktionsende am 7. März um 20 Uhr jeweils der oder die Höchstbietende den Zuschlag pro Stück erhalten. Laut Kontraste und der Tagessschau soll Kliemann aber für mindestens 84 NFTs Gebote bestätigt haben, die erst nach 20 Uhr eingehen und über dem Höchstgebot von 20 Uhr liegen - also laut Kliemanns zuvor verkündeten Auktionsbedingungen überhaupt nicht hätten zugelassen werden dürfen. Vereinzelt akzeptiert er auch Gebote, die unter dem Höchstgebot von 20 Uhr liegen.
Die Berechnungen ergeben: Weil Kliemann Höchstgebote annahm, die nach der zuvor angekündigten Frist eingegangen waren, steigerte er den Umsatz um rund 68.000 Euro. Kurz nach der Auktion erreichten den Unternehmer viele E-Mails, viele beschwerten sich auf Twitter. Kliemann entschuldigte sich und behauptete, ihm sei die Uhrzeit einzelner Gebote gar nicht angezeigt worden. Außerdem habe habe er fälschlicherweise geglaubt, er könne sämtliche Auktionen um 20 Uhr auf einen Schlag beenden, habe dann aber alle einzeln überprüfen auf ihre Seriösität überprüfen müssen. Warum ist nicht ganz klar, denn gerade in hochtechnologisierten Bereichen wie Auktionen und Krypto sollte dies automatisiert erfolgen können.
Geprellte könnten Schadenersatzansprüche zum Marktwert geltend machen
Dass bei der Ermittlung der Auktionsgewinner nicht alles glatt gegangen sei, deutete Kliemann damals in einem Blogbeitrag an, das Ausmaß blieb unerwähnt. Heute lässt er sein Vorgehen durch seinen Anwalt rechtfertigen. Dieser schreibt Kontraste, Kliemann habe mit der Auktion Neuland betreten und im Vorfeld nicht damit gerechnet, die Gebote per Klick selber bestätigen zu müssen.
Wie die Tagaesschau weiter berichtet, hat Kontraste mit mehreren Juristen gesprochen, die sich auf NFTs spezialisiert haben. "Wenn die Auktion entsprechend angekündigt wurde, hat derjenige, der um 20 Uhr Höchstbietender war, einen zivilrechtlichen Anspruch darauf, den NFT zu bekommen", sagt Katharina Garbers-von Boehm von der Kanzlei Büsing Müffelmann & Theye gegenüber dem ARD-Magazin. Dafür sei es nun zu spät, denn einige Musikstücke wurden inzwischen für noch mehr Geld weiterverkauft. Nach Einschätzung von Pascal Decker, Partner der Kanzlei dtb, hätten die Geprellten jedoch ein Anrecht auf Schadensersatz, abhängig vom Marktwert der NFTs.
Alle W&V-Beiträge zum Maskenskandal um Fynn Kliemann in chronologischer Reihenfolge:
6. Mai 2022: Influencer Fynn Kliemann - ein Betrüger?
9. Mai 2022: Fynn Kliemann gerät weiter unter Druck
12. Mai 2022: Auch Toom und Berentzen geben Kliemann den Laufpass
13. Mai 2022: Der Fall Kliemann: Wie geht es weiter im Influencer-Marketing?
23. Mai 2022: Akte Kliemann: Jetzt verliert er seinen Geschäftsführer Tom Illbruck
24. Mai 2022: Fehlerkultur adé! Warum der Fall Kliemann ein Desaster ist
16. Juni 2022: Fynn Kliemann: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft
20. Juni 2022: Fynn Kliemann: Jetzt platzt ihm der Kragen
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