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Was der WPP-Deal mit den Hirschen bedeutet
Gerüchte über einen Verkauf kursierten schon länger. Jetzt herrscht Klarheit: der britische Werbekonzern WPP steigt bei der inhabergeführten Agentur Hirschen Group mit Hauptsitz in Hamburg ein. W&V-Redakteur Peter Hammer erklärt, warum.
Gerüchte über einen Verkauf kursierten schon länger. Jetzt herrscht Klarheit: der britische Werbekonzern WPP steigt bei der inhabergeführten Agentur Hirschen Group mit Hauptsitz in Hamburg ein. Damit bleibt die Agentur als Marke weiter bestehen und ist auf dem Papier weiter unabhängig, bekommt aber einen gewichtigen Gesellschafter.
Dem Vernehmen nach übernimmt WPP 49 Prozent an den Hanseaten. Gleichzeitig geht die Gruppe eine Partnerschaft mit JWT in New York ein. Das Network ist Teil des WPP-Imperiums und soll die Hirschen Group bei der Betreuung internationaler Kunden unterstützen. Konkret: Benötigen deutsche Auftraggeber einen weltweiten Rollout, erfolgt dieser über JWT. Umgekehrt erhoffen sich die Hamburger Werber Geschäft aus dem Network, wenn deren Kunden in Deutschland werblich aktiv werden wollen.
Wohl derzeit nicht betroffen von dem Deal ist Golden Dudes. Der Agenturverbund aus inhabergeführten Häusern wurde Ende 2013 auf Initiative der Hirschen gegründet. Es ist die agentureigene Antwort auf die Internationalisierung des Geschäfts und soll sich auch in Zukunft um so genannte "Boutique"-Aufgaben kümmern. Ob Golden Dudes ein Erfolg ist, darf hinterfragt werden. Allerdings ging vor wenigen Tagen die neue internationale Kampagne der Privatbank Julius Bär on Air, ein Gemeinschaftswerk des Verbunds.
Mit dem Verkauf der Anteile will die Hirschen Group ihren bisherigen Wachstumskurs weiter forcieren. Vor 20 Jahren gegründet, beschäftigt die Gruppe mittlerweile mehr als 500 Mitarbeiter. Realisiert wurde das Wachstum in der Vergangenheit gleichermaßen aus eigener Kraft wie auch durch Zukäufe. So finden sich unter dem Hirschen-Dach auch Agenturen wie Freunde des Hauses oder Ressourcenmangel. Offenbar war es zuletzt nicht mehr so einfach, mit Unterstützung der Banken weiter zu expandieren. Dafür steht nunmehr Sorrells Investment zur Verfügung.
Wie viel Geld WPP in die Hand nimmt, ist nicht bekannt. Aber mit dem Deal werden einige der Hirschen-Chefs quasi über Nacht zu Millionären. 2013 noch hielten die Gründer Marcel Loko und Bernd Heusinger jeweils 34 Prozent an der Agentur, Martin Blach 20 Prozent. Vorausgesetzt, die Kartellbehörden in Deutschland und in Österreich geben grünes Licht.
Verlierer ist zu jetzigen Zeitpunkt JWT in Deutschland. Die Agentur, die seit geraumer Zeit keine eigene Führung mehr hat, muss sich künftig mit den Hirschen balgen, wenn es darum geht, internationale Kampagnen aus dem Network für Deutschland zu adaptieren.