Und wo vermissen Sie Wrapping-Design?
Ley: Zum Beispiel auf Mülltonnen. Oder auf tristen Garagentoren. Es gibt sicher zahlreiche Ideen, auf die bisher noch niemand gekommen ist. Wrapping ist noch sehr jung, da wird sich in Zukunft noch viel Neues entwickeln.

Welches waren bislang die größten werblichen Herausforderungen für Sie?
Ley: Der Otto Versand stellte uns vor eine recht schwierige Aufgabe mit seinen Würfel-Motiven auf LKWs und Sprintern. Die einzelnen Folien mussten lotrecht übereinander laufend verklebt werden, um den unterschiedlichen Perspektiven der Betrachter gerecht zu werden. Ein Perspektiven-Problem gab es auch bei der Eismaschine für das Stadion der Eishockeymannschaft Hamburg Freezers zu lösen.Eine Herausforderung ganz anderer Art war dagegen ein Auftrag von Dunlop: Die Gestaltung von 2000 Senseo-Kaffeemaschinen im Rallye-Design. Wrapping ist ein kreatives Handwerk - bei dieser hohen Stückzahl galt es für unser Team schon Disziplin zu wahren, um die letzte Kaffeemaschine genauso hochwertig zu gestalten, wie die erste.

Warum haben Sie eine Akademie für Wrapping gegründet?
Ley: Professionelles Wrapping erfordert handwerkliches und gestalterisches Geschick, und genaue Produktkenntnisse. Es gibt Folien mit den unterschiedlichsten spezifischen Qualitäten, deren Eigenschaften der Wrapper kennen muss, um für die jeweilige Anwendung das richtige Material auszuwählen. Wir kooperieren in der SEW-Akademie mit großen Folienherstellern wie 3M und testen ständig die Materialeigenschaften. Außerdem arbeiten wir in Gesprächen mit Handelskammern und Handwerkskammern daran, aus dem Wrapper einen anerkannten Ausbildungsberuf zu machen. Momentan kann sich jeder Wrapper nennen und mit der Arbeit loslegen. Deshalb bewegen sich die Wrapping-Resultate dann oft zwischen Reklamation und Heldentum. Für Flugzeuge benötigt man allerdings mittlerweile Lizenz vom Luftfahrtbundesamt. Die Folie muss extreme klimatische Veränderungen in kürzester Zeit ertragen, sowie die Ausdehnung der Flugzeughülle bei Start, Landung und Druckanpassungen in Reiseflughöhe. Deshalb achter die Behörde genau auf das verwendete Material und die Ausbildung des Wrappers..

Fürchten Sie keine Konkurrenz aus den eigenen Reihen?
Ley: Nein, im Gegenteil. Die Professionalisierung das Wrappings kommt allen Beteiligten zugute. Mein Bruder und ich, wir haben mittlerweile sogar unseren Arbeitsschwerpunkt in den Bereich Akademie verlagert. In den Seminaren verraten wir den Werbetechnikern gerne alle unsere Tricks, denn je hochwertiger und professioneller mit Wrapping generell gearbeitet wird, desto besser ist es für den gesamten Markt. Für den Auto-Bereich will ich es so formulieren: Die Masse der Firmen-, Leasing- oder Privatfahrzeuge überlassen wir den Unternehmen unserer Seminarteilnehmer. Mit SEW-Design konzentrieren uns auf den Markt der Bentleys, Ferraris und Bugattis.

Gibt es etwas, das Sie unbedingt einmal wrappen möchten?
Ley: Oh, ja, einen Hubschrauber! Und zwar dieses fliegende Ei, das die Amerikaner im Vietnamkrieg eingesetzt haben.

Das Interview führte Kirsten Akanho.

Mehr zum Thema Visuelle Kommunikation erfahren Sie hier im Special von W&V Online. Wrapping ist zudem eines der großen Themen auf der diesjährigen Viscom, die vom 13. bis 15. Oktober in Düsseldorf stattfindet.


Autor: Christiane Treckmann

Christiane Treckmann ist Mitglied der W&V Redaktion. Ihre Interessen: das Spannungsfeld von Menschen, Marken und Medien - analog und insbesondere digital. Daher liegen ihr besonders Themen rund um Markenstrategien, Mediaplanung, Nachhaltigkeit, KI - und die Menschen dahinter am Herzen. Christiane ist zudem regelmäßige Moderatorin der W&V Webinare.