
The Richards Group:
Rassistische Äußerung: Home Depot kündigt seiner Agentur
Gleich zwei Etatverluste in wenigen Tagen: Dem 88-jährigen Gründer der US-Agentur The Richards Group kommt eine rassistische Äußerung teuer zu stehen. Motel 6 und Home Depot beenden die Kooperation.

Foto: The Richards Group
Stan Richards, Gründer der größten unabhängigen Werbeagentur der USA The Richards Group, war schon immer für seine extravaganten Ansichten bekannt. Doch jetzt fliegt ihm eine rassistische Äußerung um die Ohren.
In einem Pitch für das private Hotelunternehmen Motel 6 hielt der 88-Jährige eine Anzeige jüngst für "zu schwarz" für die "weißen rassistischen Wähler". Der Werbekunde reagierte prompt und beendete seine mehr als drei Jahrzehnte währende Zusammenarbeit mit der Richards Group mit sofortiger Wirkung.
Auch der Baumarktkette Home Depot, seit 25 Jahren Kunde der Richards Group, missfielen die Äußerungen des Gründers. "Wir tolerieren keinerlei Form der Diskriminierung. Daher waren wir schockiert und traurig, als wir von dem Vorfall erfuhren", sagte eine Sprecherin gegenüber dem Online-Portal AdAge.com. Man habe sofort damit begonnen, eine neue Werbeagentur zu suchen. Der Schaden für Richards ist groß. Immerhin gab Home Depot im vergangenen Jahr rund 1,1 Milliarden US-Dollar für Werbung aus und zählt damit laut Daten von AdAge zu den 50 größten Werbungtreibenden der USA.
Die Richards Group mit Sitz in Dallas ist mit rund 750 Mitarbeitern die größte unabhängige Agentur der USA, betreute zuletzt Budgets in Höhe von einer Milliarde US-Dollar und erwirtschaftete Umsätze von rund 197 Millionen US-Dollar. Zu den wichtigsten Kunden zählen und zählten neben Motel 6 und Home Depot auch Unternehmen wie Fruit of the Loom, Sub-Zero/Wolf oder Zales. Auf der Agentur-Website äußert sich Kreativdirektor Glenn Dady zu den Vorfällen: In mehr als vier Jahrzehnten, in denen er für die Agentur arbeitete, habe die Richards Group Rassismus in keiner Form toleriert, schreibt er. "Wir existieren, um Marken bei allen Menschen beliebt zu machen. Jetzt wurde unsere Marke beschmutzt." Wie alle Unternehmen habe man eine Menge Arbeit vor sich, um den gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben. "Als die Person, die jetzt für alle zukünftigen Aktivitäten der Richards Group verantwortlich ist, verpflichte ich mich, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um mich auf dieses Ziel zu konzentrieren."
"Kreativität braucht keine Muse, sondern einen Feldwebel"
In einem Porträt auf Inc.com wurde Richards bereits vor rund zehn Jahren als CEO mit einzigartigem Führungsstil beschrieben. Nach dem Motto "Kreativität braucht keine Muse, sondern einen Feldwebel" besteht er bei seinen Mitarbeitern beispielseweise darauf, dass sie pünktlich um 8.30 Uhr am Arbeitsplatz sitzen, ihre Leistungen für die Agentur in 15-Minuten-Schritten abrechnen (andernfalls werden ihnen 8,63 US-Dollar vom Gehalt abgezogen), rechzeitig zu Meetings erscheinen (ansonsten werden sie ausgeschlossen) und pünktlich um 18.00 Uhr nach Hause gehen.
Gleichzeitig stammen einige der bekanntesten US-Kampagnen der vergangenen 30 Jahre aus den Federn der Texaner. Dazu zählen unter anderem Chick-fil-A's berühmte Kühe, Corona-Bier-Werbungen mit am Strand faulenzenden Paaren und Motel 6's "We'll Leave the Light on for You". Allerdings sorgten die Kreativen auch immer wieder für Kontroversen. Für die Intimpflegemarke Summer's Eve beispielsweise riefen sie das Motto "Heil der V" aus und nutzten Handpuppen, um die Rollen von sprechenden Vaginas verschiedener Rassen zu spielen.