
Neue Sentimental Film steht vor dem Aus
Der neue Eigner Wige Media verkauft seine Neue Sentimental Film schon wieder. Wige Media hatte die Werbefilmproduktion mit Büros in Frankfurt und Hamburg erst Anfang des Jahres übernommen. Offenbar droht NSF die Insolvenz.
Immer absurdere Züge nimmt das Vorgehen der börsennotierten Wige Media bei der Werbefilmproduktion Neue Sentimental Film (NSF) an. Die Gruppe verkauft nun schon wieder die erst Anfang des Jahres übernommene Filmproduktion. Wige Media hatte die beiden NSF-GmbHs in Frankfurt und Hamburg damals von der klammen, ebenfalls börsennotierten Werbefilmholding Mood and Motion abgekauft.
Als Grund gibt die Kölner Wige Media an, die Entwicklungen der Gesellschaften seit der Übernahme hätten "nicht den ursprünglichen Planungen und Erwartungen bei der operativen Entwicklung und der Markenstärke NSF" entsprochen. Die erst vor kurzem installierten Geschäftsführer Jens Meinecke und Lutz Nagel wurden W&V-Informationen zufolge bereits abberufen. Sie sind zugleich Chefs der Wige-Tochter ByLauterbach, München.
Als neuer Eigner hat sich Sascha Magsamen, Vorstand der PVM Private Values Media AG, im Frankfurter Büro bereits vorgestellt. Magsamen ist zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wige Media. Innerhalb der alten Mood and Motion-Gruppe ist er ein guter Bekannter: Er hat bereits für die Abwicklung des Neue Sentimental Film-Büros in Wien gesorgt - und seine Firma hat die ehemalige Mood and Motion-Tochter Telemaz gekauft. Für die Telemaz-Büros in Düsseldorf und Hamburg wurde kurz darauf Insolvenz von dritter Seite angemeldet. Allein das Berliner Telemaz-Büro existiert noch, allerdings ruhen die Geschäfte.
Insider vermuten nun, das auch Neue Sentimental Film kurz vor der Insolvenz steht. Personal ist ohnehin kaum mehr vor Ort. Die früheren NSF-Geschäftsführer Tom Gläser und Elinor de la Forge haben schon länger bekannt gegeben, neu angreifen zu wollen und starten mit ihrer neu gegründeten Produktion Black Pearl Film durch. Einige NSF-Mitarbeiter folgten dem Duo in die neue Firma. Die Hamburger NSF-Geschäftsführerinnen Helga Waterkotte und Sabine Lippert sind ebenfalls seit Mai nicht mehr an Bord.
Ein Hintergrund für den jetztigen Verkauf könnte sein, dass Wige Media eine Insolvenz in eigenen Reihen vermeiden will. Der Kölner Gruppe steht am 18. Juli eine Hauptversammlung ins Haus.
Trotz allem will Wige Media an der Produktion von Werbefilmen festhalten, das diese als ein "wichtiger strategischer Schritt im Hinblick auf die vertikale Integration entlang der Wertschöpfungskette in der Bewegbildbranche beurteilt wird". Deshalb habe man beschlossen, "das Geschäft der Werbefilmproduktion in die Wige Media AG zu integrieren und ab sofort unter dem Label Wige Creation fortzuführen und auszubauen". Die AG erwartet durch die Umstrukturierungen einmalige negative Effekte in Höhe eines mittleren sechsstelligen Euro-Betrages, heißt es in einer Mitteilung.
Neue Sentimental Film wurde 1990 gegründet und zehn Jahre später an die Börse geführt. Zu schnelle Expansion ins Ausland, die Übernahme der - inzwischen insolventen - Telemaz und die Krise 2008/09 brachten die Holding, die nun als Mood and Motion firmierte, schwer ins Straucheln. Auch der Anfang 2011 eingestiegene Investor Wige Media konnte nichts ausrichten - eher im Gegenteil. Mehrfach wurde ein "Neuanfang" propagiert. Heute dürfte Mood and Motion nur mehr als Börsenmantel Bestand haben. Für das aktuelle Ranking der größten Werbefilmproduktionen meldete NSF noch einen Umsatz von 6,9 Millionen Euro. Die Zahlen waren nicht testiert.