Matthias Onken lebt und arbeitet in Hamburg.
Matthias Onken lebt und arbeitet in Hamburg. © Foto:Matthias Onken

NDR-Auftritt | | von Frank Zimmer

Matthias Onken kommentiert: "Zu Katja, Frau Riemann!"

Matthias Onken kennt sich mit Promis und ihrer Inszenierung aus: Der Talkshow-erfahrene Medienberater war Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost" und Redaktionsleiter von "Bild" Hamburg. Für W&V Online kommentiert er den umstrittenen Auftritt von Katja Riemann im NDR.

Von Matthias Onken

Ach ja, die Katja. Immer so schön direkt. "Also wenn ich dürfte, dann würde ich Sie jetzt küssen." Gestand sie einer Journalistin mal nach einem Interview. Weil’s so toll gelaufen war. Weil ihr die Fragen gepasst haben. Weil sie das Niveau niveauvoll fand.

Den netten Hinnerk vom roten NDR-Sofa hätte sie im Leben nicht geküsst. Weil’s so doof gelaufen war bei ihrem PR-Auftritt zum neuen Film. Weil Herr Baumgarten Fragen gefragt hat, die Katja überfordert haben. Das hat sie nicht zugegeben, selbstverständlich nicht. Stattdessen zeigte sie ihre schauspielerische Durchschnittsbegabung und tat so, als seien ihr die Themen zu billig. Oder zu daneben. Dann wiederum erschien ihr thematischer Tiefgang am NDR-Vorabend fehl am Platze. Zu ihren Nicht-Antworten befolgte Katja artig Regieanweisungen an sich selbst: Guck weg! Lächle gequält! Wirk verständnislos! Wuschel betreten in den Haaren!

Auweia. So schlecht hatte man sie dann auch wieder nicht in Erinnerung.

Schon die erste Frage nach der Typveränderung für ihre Filmfigur hatte ihr nicht gefallen. Die zweite wollte sie nicht verstehen. Statt nachzufassen, beantwortete Baumgarten sie lieber schnell selbst. Ein harmloser Einspieler brachte den Couch-Gast dann so von der Rolle, dass endgültig Schluss war mit professionell. Die MAZ erinnerte an Katjas Kindheit auf einem Kuhdorf. Ein Griff ins Klo der Redaktion: „Intim, intim, das geht keinen was an!“, erregte sie sich, als seien private Nacktbilder veröffentlicht worden.

Ab diesem Moment hätte man ihr gewünscht, sie wäre aufgesprungen und aus dem Studio geflitzt. Aber nein: Katja blieb, tat schrecklich gelangweilt und ließ an keiner Frage mehr ein gutes Haar. So zierte und blamierte sie sich durch die Sendung. Wo sie gern Diva gewesen wäre, war sie bestenfalls Zicke.

Der Moderator lächelte tapfer, versuchte die tapsige Katja zu stützen, ihr Brücken zu bauen, um sich zu fangen. Sie ignorierte es. Spätestens da hätte ein bisschen Klartext nicht geschadet. Zum Beispiel: "Frau Riemann, meine Themen sind Ihnen zu blöd. Erzählen Sie uns etwas weniger Belangloses!" Oder: "Sie haben heute einen richtig schlechten Tag, nicht wahr?"  Wenn’s schon aus dem Ruder läuft, dann doch gleich richtig. Natürlich weiß Katja wie Film-PR geht. Auch, wenn sie mal nicht gut drauf ist. Ein Leichtes wäre es gewesen, das Interview sympathisch zu parieren, den Ball selbst aufzunehmen, den Spielverlauf charmant zu ändern. Business as usual in ihrem Geschäft.

Aber nein. Am Ende war sogar das Studio zu hell. Du meine Güte. Da brauste dann mal ein ordentlicher Drecksorkan durch Foren und Facebook. Alles gelöscht und abgeschaltet. Apropos abschalten: Ich guck Ihre Filme seit Anfang der Neunziger nicht mehr. Wie kann ich nur? Ganz einfach: Sie sind mir echt zu Katja, Frau Riemann!

Der Autor ist Medienberater, Journalist und Autor des Buchs „Bis nichts mehr ging – Protokoll eines Ausstiegs“ (Rowohlt)

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