Fernsehen und Radio:
Klammes Griechenland knipst Staatsrundfunk aus
Die Regierung in Athen schließt den staatlichen Hörfunk sowie das Fernsehen nach 75 Jahren und ersetzt die Sender durch kleinere staatliche Medien.
Das griechische Sparprogramm hinterlässt nun auch deutliche Spuren in der Medienlandschaft: Die Regierung in Athen schließt den staatlichen Hörfunk sowie das Fernsehen nach 75 Jahren und wird ihn später durch kleinere staatliche Medien ersetzen. Ausgeknipst werden drei staatliche landesweit ausgestrahlte Fernsehprogramme, sieben landesweit ausgestrahlte Radioprogramme sowie 19 regionale Hörfunksender. Das Staatsunternehmen ERT bestätigt dies.
Insgesamt verlieren rund 2900 Techniker, Angestellte und Journalisten ihre Arbeit verlieren. Der Plan der Regierung sieht laut Medienberichten vor, in den nächsten Monaten einen neuen Arbeitsplan für ein kleines, kompaktes staatliches Fernsehen und Radio mit rund 1000 Mitarbeitern auszuarbeiten. Angestellte des staatlichen Fernsehens sagen der Nachrichtenagentur "dpa", sie seien "schockiert". In der Folge sind alle griechischen Journalisten am Mittwochmorgen in den Streik getreten. In allen griechischen Radio- und Fernsehsendern gibt es seit 6.00 Uhr Ortszeit (7.00 MESZ) keine Nachrichten mehr.
Die mitregierende Partei der Sozialisten (Pasok) kritisiert die Schließung des staatliches Rundfunk - und Fernsehens (ERT). Radio und Fernsehen müssten zwar modernisiert werden, dies könne aber nicht überraschend und ohne Bewertung des Personals stattfinden, so die Erklärung der Partei. Auch vom kleineren Koalitionspartner, der Demokratischen Linken (Dimar), kommt Kritik: Es könne nicht sein, dass das Land ohne staatliches Radio und Fernsehen bleibe. Griechenland muss im Rahmen seines Konsolidierungsprogramms bis Ende des Jahres 4000 Staatsbedienstete entlassen. Bis Ende 2014 sollen 15.000 gehen.
Unterdessen stellt die Regierung schon den Neustart in Aussicht. Der griechische Staatsrundfunk solle Ende August nach einer Sanierung wieder den Sendebetrieb aufnehmen. Der griechische Regierungssprecher Simos Kedikoglou sagt in Athen: "Die ERT schließt nicht. Was schließt, ist ein in Schieflage und auf faule Fundamente gebautes 'Bauwerk'". Die neue griechische Hörfunk- und Fernsehanstalt solle nur noch etwa 1200 Angestellte haben - statt bislang rund 2600 - und NERIT heißen. Die neue Institution werde unabhängig sein. "In Europa gibt es keine Journalisten als Staatsbedienstete", so der Regierungssprecher.
ps/dpa