Das neue Samsung Galaxy S4 ist vergangenen Woche vorgestellt worden.
Das neue Samsung Galaxy S4 ist vergangenen Woche vorgestellt worden. © Foto:Samsung

Galaxy S4 | | von Ulrike App

Samsung-Strategie: "Ich nenne es Non-Sexy-Design"

Stephan Schupbach beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Produktgestaltung. Der diplomierte Designer ist Professor am Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften an der Fachhochschule Frankfurt am Main. W&V Online hat ihn zur Design-Strategie von Samsung und zum neuen Galaxy S 4 befragt.

Professor Schupbach, wie beurteilen Sie das neue Galaxy S4 aus Designer-Sicht?

Formalästhetisch unambitioniert = Non-Design. Shakespeare formulierte designtheoretisch klug in Macbeth: „Fair is foul, and foul is fair“.

Dann hat Samsung in Sachen Design also nicht mit Apple gleichgezogen....

Apple ist, im Gegensatz zu Samsung, hoch ambitioniert im Design, ja fast pathetisch in seiner Reduktion. Zwei unterschiedliche Unternehmen. Zwei mittlerweile unterschiedliche Designstrategien.

Schadet es einer Marke, wenn sie wie Samsung ihr Design stark an der Vorgänger-Generation orientiert?

Kontinuität ist für global ausgerichtete Unternehmen selten schlecht. Denken Sie an den VW-Golf, eine Lucky-Strike, oder das grandiose Allerweltdesign des BIC-Einwegfeuerzeuges – unverändert bis heute schon 1972 von Louis Lucien Lepoix entworfen; aber auch an Apple. Seit Jonathan Ive die Designverantwortung für das Unternehmen übernahm gibt es eine große Kontinuität.

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Am meisten scheinen die Samsung-typischen Kunststoffgehäuse die Gemüter zu spalten. Hat Kunststoff per se ein schlechtes Image? Ist das berechtigt?

Der Himalaya-Kletterer wird seine Kunststoffjacke dem Wollpullover vorziehen – ist diese doch vor allem leicht. Bei einem Smartphone ein ebenfalls schlagkräftiges Argument. Das was der normale Nutzer mit Kunststoff verbindet, ist das billige Plastik eines Joghurt-Bechers. Die Formel 1, die NASA und die Top-Chirurgie nutzen andere Kunststoffe, aber auch andere Herstellungs- und Fertigungsverfahren bei Leichtmetallen: Zum Beispiel schäumen sie Aluminium – sicher auch ein Weg Geräte bei hoher Materialwertigkeit leichter und konstruktiv stabil zu machen. Zu Ihrer zweiten Frage: Ist das (imagerelevant) berechtigt? Nein, aber nach wie vor sehr verbreitet – gilt es doch hier in Zukunft der Authentizität der modernen Kunststoffe wirklich Rechnung zu tragen.

Versucht Samsung zu viele verschiedene Geschmäcker zu bedienen?

Die Strategie von Samsung ist mittlerweile recht stringent; unterliegen die umsatzstärksten Produktlinien des Unternehmens doch eher einer unambitionierten Formensprache im Design. Ich nenne es mal erweitert "Non-Sexy-Design" – sicher auch ein designstrategischer Weg.

Samsungs US-Designchef ist der Überzeugung, dass das Aussehen von Geräten, wie dem Galaxy S4, in Zukunft immer stärker in den Hintergrund treten wird und dafür die "inneren Werte" mehr zählen. Hat er recht?

Die Zunahme der technischen Leistungsmerkmale hat den Psychologen Donald A. Norman einst veranlasst folgende Einschätzung abzugeben: "Verdoppelt sich die Zahl der Leistungsmerkmale so vervierfacht sich die Komplexität. Bei einer Verzehnfachung der Leistungsmerkmale kann man die Komplexität mit hundert multiplizieren". Innere Werte müssen der exponentiellen Zunahme der Benutzungskomplexität entgegen steuern und rücken dadurch in einen noch strategischeren Fokus der gesamten Produktentwicklung. Stichworte sind hierbei Techniküberdruss und Entmaterialisierung. Primär formalästhetisch orientierte Companies fegt es vom Markt – die Zeit des designgetriebenen Manierismus ist für Global-Player definitiv vorbei.

Die Smartphones werden immer größer, was ist hier die Herausforderung für Designer?

Dies ist so nicht richtig. Es gibt schon im Jetzt kleine, mittlere und große Smartphones, Pads und Notebooks – in Zukunft sicher noch intelligentere Produkte; manche klein, manche groß, geschoben, geklappt, ausgerollt, geknickt, gefaltet, oder einoperiert. Dies ist aber nicht nur eine Herausforderung für das Design, sondern eine Herausforderung in der strategischen Sortimentspolitik des Unternehmens.

Welches Smartphone nutzen Sie? Wollen Sie bald umsteigen?

Da ich mein Smartphone meist in der linken Innentasche des Jacketts trage, ein sehr leichtes Kunststoff-Gerät. Wechseln möchte ich nicht, da auf der rechten Seite meines Jacketts schon meine Brieftasche ihren Platz hat - übrigens aus Leder.

Samsung-Strategie: "Ich nenne es Non-Sexy-Design"

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