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Franz-Peter Tebartz-van Elst ist seit 2007 Bischof von Limburg. Seine Diözese umfasst mit Frankfurt und Wiesbaden wesentliche Teile des Rhein-Main-Gebietes.
Franz-Peter Tebartz-van Elst ist seit 2007 Bischof von Limburg. Seine Diözese umfasst mit Frankfurt und Wiesbaden wesentliche Teile des Rhein-Main-Gebietes. © Foto:Bistum Limburg

Hasso Mansfeld | | von Frank Zimmer

Bischöfliche PR-Krise in Limburg: Was jetzt passieren muss

In der katholischen Kirche hat der Kommunikations-GAU einen neuen Namen: Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg. Der konservative Kleriker streitet mit dem "Spiegel" um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien, steht wegen eines millionenschweren Neubaus seiner Residenz unter Druck und soll aus Protetest gegen die Berichterstattung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sämtliche Dienst-Abos der "FAZ" gekündigt haben. Im schlimmsten Fall droht ihm ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage. Mit einigen Medien kommuniziert die Pressestelle des Bistums schon gar nicht mehr, sie igelt sich zunehmend ein. Für W&V hat Kommunikationsberater Hasso Mansfeld fünf Thesen zum Ausweg aus der bischöflichen Wagenburg skizziert.

1. Gesprächsbereitschaft und Kritikfähigkeit vor Wagenburg-Mentalität

Typisch für eine Wagenburg-Mentalität ist: je stärker Transparenz und Auskunft eingefordert werden, desto weniger ist man bereit, zu sich selbst und den im Raume stehenden Vorwürfen Stellung zu beziehen. Was jedoch die einzig richtige Strategie wäre, den Druck zu verringern. Gesprächsbereitschaft und Kritikfähigkeit dürfen nicht nur behauptet, sondern müssen auch durch proaktives Handeln unter Beweis gestellt werden.
 
2. Kritische Selbstreflektion verringert Beissreflexe

Der erste Schritt in einer schwierigen Situation ist immer, erst die eigenen Fehler zu qualifizieren und zu analysieren. Erst dann sollte man die Fehler bei den anderen suchen. Die kategorische Negierung von eigenem Fehlverhalten erleichtert es der Gegenseite. die kritische Selbstreflektion ihrerseits zu verdrängen und Beißreflexe zu entwickeln .
 
3. Publizistik vor Jurisprudenz

Im Falle des First-Class Vorwurfes durch den Spiegel hat man versucht, mit juristischen Mitteln eine Veröffentlichung zu verhindern. Ein solches Vorgehen ist jedoch schon dann problematisch, wenn die Vorwürfe nicht der Realität entsprechen. Entspricht der erhobene Vorwurf jedoch auch noch den tatsächlichen Gegebenheiten, resultieren aus dem Einsatz juristischer Mittel oft auch noch strafrechtliche Konsequenzen. In einer publizistischen Auseinandersetzung sollten immer a priori publizistische Mittel eingesetzt werden und nicht die der Jurisprudenz.
 
4. Authentizität vor Rollenspiel

Van Elst hat sich von Anfang an auf seine Position als katholischer Professor zurück gezogen. Sein Auftreten ist konsequent durch eine Betonung seiner klerikalen Intellektualität geprägt. Er erscheint dadurch als wenig authentisch und nicht einsichtig. Viel wichtiger wäre es jedoch, sich in einer so schwierigen Situation sich auf seine Rolle als Mensch zu konzentrieren. Empathie spielt in solchen Kommunikationsprozessen eine entscheidende Rolle.  Eine Anmutung der Unfehlbarkeit erleichtert den Gegenspielern, den Druck weiter aufzubauen und das Verhalten des Protagonisten in immer größeren Dimensionen zu kritisieren.
 
5. Beichte, Reue, Absolution

Wie im katholischen Kontext nach  erfolgter Beichte, die Sünde vergeben wird, so können auch publizistische Auseinandersetzungen durch die Analyse und das Eingestehen von eigenen Fehlern deeskaliert werden.

Hasso Mansfeld ist Experte für Krisenkommunikation.

Hasso Mansfeld ist Experte für Krisenkommunikation.

 
Hasso Mansfeld ist Kommunikationsberater und vermittelt in besonders verfahrenen Situationen zwischen Medien und dem Objekten der Berichterstattung, so zum Beispiel im Siemens-Schelsky-Prozess oder im EBS-Skandal. Für seine Arbeit ist er mehrfach ausgezeichnet worden.

Bischöfliche PR-Krise in Limburg: Was jetzt passieren muss

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Krisen-PR für den Bischof: Die 16.000-Euro-Frage

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Es hätte ein außergewöhnlicher PR-Job werden können: Nach seinem Gastbeitrag in W&V war Hasso Mansfeld drauf und dran, die Kommunikationsberatung für den umstrittenen Bischof von Limburg zu übernehmen. Aber dann kursierten Honorarsätze in den Medien, und der Auftrag war weg. Im Interview mit W&V spricht Mansfeld über seinen Kontakt mit dem Bischof, erklärt seine Honorar-Kalkulation und erzählt, warum er von den Medien enttäuscht ist.

Herr Mansfeld, vorletzte Woche haben Sie in einem Gastbeitrag für W&V Online skizziert, wie der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen Kritikern begegnen sollte. Am vergangenen Sonntag stand in der "Frankfurter Allgemeinen", Sie hätten sich mit dem Bischof getroffen und 16.000 Euro für einen Beratungsauftrag verlangt, der aber nicht zustande gekommen sei. Was ist da passiert?

Nach dem Erscheinen des W&V-Artikels bin ich tatsächlich nach Limburg gebeten worden. Es gab ein längeres Gespräch mit Bischof Tebartz-van Elst, das wiederum eine Anfrage der "Frankfurter Rundschau" nach sich zog.

Warum haben Sie mit der "Frankfurter Rundschau" gesprochen?

Meine Strategie war es von Anfang an, öffentlich einen Weg aus der bischöflichen Wagenburg zu skizzieren. Es ist ein großer Erfolg, dass es dann zu einem Gespräch gekommen ist. In dem kirchlichen Kontext wäre es taktisch besser gewesen, nach dem Gespräch erst einmal gar nichts zu sagen und die Entscheidung der Gremien abzuwarten. Ich bin aber vom Chefkorrespondenten der "FR" gefragt worden, ob ein Gespräch mit dem Bischof stattgefunden hat.  Ich wollte offen antworten, ansonsten hätte ich ja sofort gegen die von mir selber formulierten Prinzipien verstoßen. In einer Situation, die durch mangelnde Transparenz verursacht wurde, ist Diskretion zumindest problematisch. Ein Dilemma, das ich entschieden habe dadurch aufzulösen, indem ich alle Fragen ehrlich beantworte.

Haben Sie sich dabei mit dem Bischof abgestimmt?

Ich habe das Büro des Bischofs umgehend über alle Anfragen und deren Inhalte unterrichtet. Nach der Veröffentlichung in der "Frankfurter Rundschau" hat mich Volker Zastrow von der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" angerufen. 

Volker Zastrow schreibt, Sie würden 16.000 Euro als "Sockelbetrag" für Ihre Beratung berechnen. Wie kommt er auf die Summe?

Er hat mich nach meinen üblichen Honoraren gefragt und ich habe geantwortet. Mein Stundensatz liegt bei 250 Euro und ich rechnete mit einem Aufwand von acht Tagen Beratung und Moderation.

Wusste der Bischof das?

Ich habe das Büro des Bischofs natürlich sofort über das Gespräch mit der "FAZ" informiert und auf die bevorstehende Veröffentlichung in der Sonntagsausgabe hingewiesen.

....der Sie daraufhin anrief und laut "FAZ" "Enttäuschung bekundete".

Es sieht nicht nach einer Zusammenarbeit aus, das ist richtig.

Sind Sie vom Bischof enttäuscht?

Nein, ich bin nicht von ihm enttäuscht. Das Engagement eines Kommunikationsberaters hat eben in sich ein hohes Skandalisierungspotential. Honorare an Menschen meiner Profession werden ständig hinterfragt, das von anderen Beratern, wie beispielsweise Anwälten nicht. Das enttäuscht mich. Aber eigentlich geht es gar nicht um mich. Ich glaube, dass die Berichterstattung über den Limburger Bischof insgesamt aus dem Ruder gelaufen ist. Journalisten sollen kritisch und abgegrenzt berichten, aber nicht selber den Lauf der Dinge beeinflussen wollen. Medien können immer nur dann kritisieren, solange es etwas zu kritisieren gibt. Paradox , aber es ist in gewisser Weise im Sinne der Medien, wenn das Objekt der Berichterstattung sich kritikwürdig verhält. 

Unter Druck: Franz-Peter Tebarz-van-Elst gilt in der Öffentlichkeit als "Luxusbischof von Limburg".

Unter Druck: Franz-Peter Tebarz-van-Elst gilt in der Öffentlichkeit als "Luxusbischof von Limburg".

Sie finden immer noch, dass man Tebartz-van Elst Unrecht tut?

Ja. Am Bischof kondensieren jetzt alle Ressentiments gegen die katholische Kirche mit allen ihren Skandalen in der jüngeren Vergangenheit. Er wird unfair behandelt. Er ist ein anderer Typ als sein populärer Vorgänger Franz Kamphaus. Dieses Anderssein wird aber nicht akzeptiert, sondern gewertet und skandalisiert. Natürlich war das Interview mit Spiegel TV unglücklich,  aber jeder sieht schlecht aus, wenn er auf offener Straße mit Fragen und einer Kamera bedrängt wird. In diesem Kontext hat er eine Aussage gemacht, die nicht korrekt war. Ich denke, das war kein Vorsatz. Er hat sich verplappert, ohne zu wissen, dass eine Kamera auf ihn gerichtet war. Mit dem ganzen Insistieren seiner Rechtsanwälte und dem darauf folgendem juristischen Gezänk hat er sich weiter vergallopiert. Ich halte das zumindest für nachvollziehbar. Mittlerweile wird unpräzise und tendenziös berichtet:  Die Deutsche Presse-Agentur, eigentlich zur Sachlichkeit verpflichtet, schreibt von einer "Dienstvilla",  der "Spiegel" von Hunderten geheimen Fotos von Handwerkern, die den Prunk dokumentieren sollen, veröffentlicht aber kein einziges. Wenig später berichtet Süddeutsche.de dass der "Spiegel" geheime Fotos veröffentlicht hat, obwohl nicht eins von diesen Bildern bislang publiziert wurde. Es werden immer weitere Protagonisten der Anklage aus dem Hut gezaubert, ohne dass deren Motivation hinterfragt wird. Das ist kein guter journalistischer Stil.

Sie haben den Bischof ja persönlich kennen gelernt. Was ist Ihr Eindruck von ihm? Wie geht er mit der Kritik an ihm um?

Ich denke, dass er sehr wohl selbstreflektiert ist. Sicherlich hat er einen enormen Anspruch an sich selber und macht es sich daher sehr schwer, eigene Fehler zu akzeptieren. Er ist aber durchaus mir gegenüber sehr offen gewesen und hat sich nachdenklich gezeigt. Ich mochte unser Gespräch. Ich konnte ihn in vielen Dingen erreichen. Was er jetzt an Kritik einstecken muss ist brutal, so etwas hinterlässt natürlich Spuren.  

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"Spiegel"-Video entlarvt Falschaussage von Limburger Bischof

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Genugtuung für den "Spiegel": Ein Rechtsstreit, den der Bischof von Limburg gegen die Hamburger vom Zaun gebrochen hatte, kommt dem umstrittenen Kleriker jetzt wohl teuer zu stehen Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat laut Spiegel Online einen Strafbefehl wegen falscher eidesstattlicher Erklärung beantragt. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst müsste demnach eine Geldstrafe zahlen, weil er unrichtige Angaben über einen Flug nach Indien gemacht hat. Der Kirchenmann war gegen "Spiegel"-Berichte vorgegangen, wonach er eine Reise in der Ersten Klasse abgestritten habe ("Business-Klasse sind wir geflogen."). Eine Online-Video entlarvt die bischöfliche Einlassung allerdings als Unwahrheit.

Tebartz-van-Elst steht wegen seiner Amts- und Lebensführung seit Monaten in der Kritik. Am Montag war bekannt geworden, dass sein neuer Dienstwohnsitz am Limburger Domberg über 30 Millionen Euro kosten wird. Ein Rücktritt gilt als wahrscheinlich. 

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