Gabor Steingart
Gabor Steingart © Foto:cr_Bettina Theisinger, Verlagsgruppe Handelsblatt

Geschäftsführung | | von Gregory Lipinski

Rasanter Aufstieg an die Spitze

Ob Griechenland-Krise oder Bankenunion – gern plaudert Gabor Steingart mit Wirtschaftsbossen und Politikern auf Foren darüber, wie sie Firmen- oder Steuergelder in der immer noch schwelenden Finanz- und Wirtschafts­krise richtig einsetzen sollen. Nun kann der Chefredakteur des Handelsblatts selbst beweisen, ob er das notwendige unternehmerische Geschick besitzt, die Verlagsgruppe Handelsblatt fit für die stürmische Zukunft im Mediengeschäft zu machen.

Denn überraschend setzt ihn der Verleger Dieter von Holtzbrinck an die Spitze der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt. Gleichzeitig macht er aus dem Absolventen der eigenen Journalistenschule einen echten Unternehmer, der persönlich ein finanzielles Risiko eingeht. Er beteiligt Steingart mit bis zu fünf Prozent an dem Düsseldorfer Verlagshaus, zu dem auch die Wirtschaftswoche sowie Fachtitel wie die Absatzwirtschaft gehören.

Ex-Capital-Chefredakteur Ralf-Dieter Brunowsky hält den Wechsel Steingarts ins Management für einen klugen Schachzug des Altverlegers. Er ist davon überzeugt, dass der Handelsblatt-Chefredakteur die unternehmerischen Herausforderungen meistern wird. „Ich traue dies Steingart zu“, meint Brunowsky. Der heutige Medienberater fordert schon seit Längerem, dass mehr Journalisten im Management von Verlagshäusern sitzen sollten. Sie verfügten über ein besseres publizistisches Verständnis, um die Medienmarken für die digitale Zukunft zu wappnen. Als positives Beispiel führt Brunowsky Springer-Chef Mathias Döpfner an. Der ehemalige Mopo-Chefredakteur habe es geschafft, durch geschickte Zukäufe aus dem Berliner Zeitungshaus einen renditestarken Digitalkonzern zu schmieden.

Auch Joachim Weidemann, Medienexperte bei der Beratung Bartholomäus & Cie., sieht den Wechsel von Steingart und die gleichzeitige Ernennung von Hans-Jürgen Jakobs, Leiter des Wirtschaftsressorts der Süddeutschen Zeitung, zum künftigen Handelsblatt-Chefredakteur positiv: „Gabor Steingart ist eine ausgezeichnete Wahl. Er bildet in Kombination mit Jakobs ein starkes Wirtschafts­team.“ Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Spiegel-Jahren.

Der neue Verlagschef, vor 50 Jahren als Sohn eines ungarischen Chemikers nahe Fulda geboren, steht vor gewaltigen Aufgaben. Das Handelsblatt schreibt ohne Nebengeschäfte rote Zahlen, wie jüngst Holtzbrinck-Berater Michael Grabner offenbarte. Steingart muss vor allem dem trägen Anzeigengeschäft des Flaggschiffs mehr Schwung verleihen, wenn er die Ertragslage des Verlags verbessern will. Dies wird nicht leicht, zumal das Wirtschaftswachstum 2013 deutlicher schwächer ausfallen soll. Viele Unternehmer überlegen sich genau, ob sie ihr Geld in Werbung stecken. Kaum hilfreich ist dabei, dass die verkaufte Aufgabe des Handelsblatts in den vergangenen zwei Jahren nur um etwas mehr als 1000 Exemplare zugelegt hat.

Viel wichtiger ist für den Politik- und Wirtschaftswissenschaftler jedoch eine andere Aufgabe. Steingart muss es gelingen, die für Anfang 2013 geplante digitale Ausgabe des Handelsblatts erfolgreich am Markt zu etablieren. Hier kann er erstmals beweisen, ob er das Zeug zum Unternehmer hat – und dem Verlag bare Münze einbringt oder am Ende nur Geld verbrennt.

Rasanter Aufstieg an die Spitze

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