Wolf Heumann
Wolf Heumann © Foto:cr_Scholz & Friends

Vorstandswechsel | | von Kerstin Richter

Jura + Musik = Kreation

Eigentlich wollte Wolf Heumann sich erst wieder Anfang 2013 in der Branche zurückmelden, seine Auszeit genießen und sich um Altlasten kümmern wie sein altes Musikstudio aufzulösen. Doch es kam anders: Zum 1. November steigt der 47-Jährige als Vorstand Kreation bei der Scholz & Friends Group ein. Er tritt damit die Nachfolge von Matthias Schmidt an, der wie berichtet am 1. Dezember als Geschäftsführer Kreation zu DDB Tribal nach Berlin wechselt.

Heumann wird das kreative Produkt gemeinsam mit Vorstand Martin Pross verantworten. Vor allem soll er am Standort Hamburg inklusive des S&F Opel Performance Center für neue Impulse sorgen. Mit Heumann kommt ein unprätentiöser, unaufgeregter Kreativer, dem es fremd ist, mit eisernem Besen durch eine Firma zu fegen. Er gilt als Teamplayer und integrative Persönlichkeit. „Diese Agentur muss man nicht umkrempeln“, sagt der gebürtige Hamburger, „was ich bisher gesehen habe, ist vom handwerklichen Niveau sehr hoch. Die Substanz ist da.“

Und doch dürfte sich in den kommenden Wochen noch einiges bei S&F Hamburg ändern. Zuerst hieß es, der Vorstandsposten solle nicht unmittelbar nachbesetzt werden. Jetzt deutet sich an, dass die Verpflichtung Heumanns, der mit frischem Blick auf die Arbeiten schauen wird, den Anfang einer strukturellen Veränderung bilden könnte. Mit seiner Auto- und Markenerfahrung sowie seinem Gespür für kreative Spitzen war Heumann Wunschkandidat für Gruppenchef Frank-Michael Schmidt. „Er verbindet Haltung und Anspruch, klares Markendenken und ausgezeichnete Kreativität“, schwärmt der CEO.

Dabei ist Heumann eher zufällig in der Werbung gelandet, hat erst Philosophie studiert, dann Jura. Um nebenbei Geld zu verdienen, trat der Hobby-Gitarrist mit einer Band auf und arbeitete in einem Tonstudio. Über dieses kam er mit Hörfunkspots in Kontakt. Nach dem ersten Staatsexamen in Jura war für ihn klar, dass Werbung doch witziger sei, als Staatsanwalt zu werden. Er klopfte bei Scholz & Friends an. Und wurde als Texter in der Family eins eingestellt. Sein Sprachgefühl und die musikalische Ader halfen ihm. Das war 1992. Vier Jahre später war er CD. Nach Station bei Rempen & Partner in Düsseldorf wechselte er zu Jung von Matt (JvM). Elf Jahre war er Kreativgeschäftsführer des Ablegers 365 (früher JvM/Elbe) gewesen und arbeitete für Kunden wie BMW, Mercedes, Obi und Sixt.

Für Sixt kreierte er auch die Kampagne, die ihm bislang am meisten Spaß gemacht hat: „Verdammt ich hab nix“ mit Matthias Reim. Das sei komisch gewesen. JvM verließ er Anfang des Jahres aus Solidarität zu seiner Frau Karen, Ex-JvM-Vorstand. Im Zuge ihres Wechsels zu Kempertrautmann (heute Thjnk) hatte Agenturgründer Jean-Remy von Matt Karen Heumann in einer internen Mail hart angegriffen.

Das Ehepaar liebt Südfrankreich, bereist das Land regelmäßig. Abschalten kann Wolf Heumann auch beim Segeln auf Alster oder Havel mit seinem Dinghi. Oder beim Essen. Genuss sei eine wichtige Inspirationsquelle, sagt er. Zur Kultur von S&F passt es, dass Heumann die Kultur des runden Tisches schätzt. Jeder könne eine gute Idee haben, so der Kreative: „Ich beurteile die Beiträge der Mitarbeiter nicht nach der Visitenkarte.“ In die Entscheidung von S&F, ein Jahr auf eine Award-Teilnahme zu verzichten, war Heumann übrigens bereits einbezogen.

Jura + Musik = Kreation

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