Neuer Chefredakteur "Zeit Online" |
Journalist mit Technikader
Die Personalie war in der gesamten Branche mit Spannung erwartet worden. Nun ist klar: Neuer Chefredakteur von "Zeit Online" wird Jochen Wegner. Es ist laut eigener Aussage der einzige Job, der ihn wieder ins operative Geschäft zurückholen konnte. Mehrere Angebote, so ist zu hören, hatte Wegner zuvor ausgeschlagen. Er arbeitete zuletzt als Berater von Medienunternehmen. „Ich war sehr glücklich damit, in vielen Häusern gibt es derzeit großartige Entwicklungen“, gesteht er. Auch Zeit Online soll sich wandeln: „Natürlich möchte ich das Bestehende nicht nur verwalten, sondern weiterentwickeln“, formuliert der 43-Jährige selbstbewusst.
Sein Vorgänger Wolfgang Blau hinterlässt große Fußstapfen. Aber Wegner passt ins Anforderungsprofil des Zeit-Verlags, der intelligent in die digitalen Kanäle investiert. „Digitale Chefredakteure müssen nicht nur Leidenschaft für den Journalismus, sondern auch für Strategie und Technik haben“, so der gebürtige Badener. Der zweifache Familienvater hatte bereits als Schüler am Commodore 64 das Coden begonnen.
Dass er die Herausforderung liebt, hat Wegner mit seinem Weggang von Tomorrow Focus bewiesen. „Ich hatte nach fünf sehr schönen Jahren das Gefühl, dass ich wieder etwas Neues lernen muss“, erklärt Wegner. Bei Focus Online etablierte er eine Beibootstrategie mit neuen Angeboten wie Finanzen100 und Jameda sowie dem News-Aggregator Nachrichten.de als Alternative zu Google News. Dann überzeugte ihn ein Freund, ein Software-Start-up zu gründen. Mit Mag10 sollten User ihre Inhalte schnell und effizient aufs iPad bringen. „In der Start-up-Zeit habe ich in Berlin exzellente Leute kennengelernt, die man wohl nur in einem solchen Gründungsumfeld trifft“, begeistert sich Wegner. Doch momentan ruht das Projekt, weil die Anschlussfinanzierung nicht wie geplant zustande kam.
Nun kehrt Wegner in die Welt des Journalismus zurück. „Ich hatte früh meine Liebe zur Sprache entdeckt, und Sprache war für mich an Papier gebunden. Deshalb wollte ich zur Zeitung“, erinnert sich Wegner. So besuchte er die Kölner Journalistenschule. Danach begann er mit dem Studium der Physik und der Philosophie an der Universität Bonn. Parallel arbeitete er für Tageszeitungen, Magazine und das Fernsehen.
In seiner Freizeit liest er am liebsten Bücher, bevorzugt aber elektronische Lesegeräte – egal, ob Apples iPad oder Amazons Kindle. Diese wird er nun regelmäßig nutzen: Künftig pendelt er zwischen dem Zeit-Standort Hamburg und seinem Wohnort Berlin, wo auch die Redaktion von Zeit.de ihren Hauptsitz hat.

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