Dickjan Poppema
Dickjan Poppema © Foto:cr_Grey

Grey | | von Daniela Strasser

Der Nette für ganz oben

Wer Dickjan Poppema dieser Tage am Telefon hat, wird erst mal vertröstet. Nein, er könne noch nicht viel sagen über das, was er bei Grey genau vorhabe. Es sei zu früh, so sagt es der 49-Jährige, um die Lage einzuschätzen. Er will sich jetzt erst mal die „Key Player“ und die „Key Tools“ ansehen. Genau zwei Wochen ist er als neuer Deutschland-Chef der Agentur Grey schon im Amt. Und statt über Konkretes plaudert Poppema dann lieber ein bisschen über dies und das und die klare Ausrichtung, die Grey über die Jahre etwas abhandengekommen sei.
Grey arbeitet für Procter & Gamble, die Allianz, Deichmann und Seat und gehört zur britischen WPP-Gruppe, die in Deutschland auch noch die Agenturmarken Ogilvy, Y&R und JWT unterhält. Ogilvy steht glänzend da. Y&R und JWT wohl eher abgründig. Und Grey? Es ist ein schweres Erbe, das Poppema da antreten soll. Er soll Beständigkeit in eine Firma bringen, die trotz immer wieder vehement bestätigter Prosperität kaum zur Ruhe kommt – spätestens seit Poppemas Vorgänger Uli Veigel den Posten gen Holding verlassen hat, angeblich um sich künftig nur mehr internationalen Aufgaben zu widmen. Managerwechsel, Umsatzverlust. Der einstige Riese im deutschen Agenturmarkt hat deutlich an Strahlkraft eingebüßt.

Vielleicht ist Poppema ja der Passende für diese Aufgabe. Der gebürtige Niederländer, der mit neun Jahren nach Deutschland kam, spricht vier Sprachen fließend. Er hat Erfahrung, hat in Unternehmen angefangen, ist mit 37 Jahren zu Leo Burnett auf Agenturseite gewechselt. Gemeinsam mit Ralf Zilligen hat er später fünf Jahre lang BBDO in Düsseldorf geleitet. Als ein neuer Deutschland-Chef kam, hat er in der gleichen Woche gekündigt. Er vermisste Handlungsspielraum, sagt Poppema.

Vielleicht ist er es aber auch nicht. Der Manager hält sich für einen integrativen, besonnenen Mann. Er kann gut mit Zahlen. Aber er hat wenig Charisma. „Ich bin nicht der Typ, der den Raum betritt, ihn ausfüllt, und alle hängen an meinen Lippen“, sagt sogar er von sich. Jemand wie Poppema ist bodenständig. Er wohnt mit seiner zweiten Frau in Düsseldorf, legt auf Status wenig Wert. Er fährt kein außergewöhnliches Auto und trägt keine Uhr mehr, seit er sich scheiden ließ. Poppema macht viel Sport, geht zweimal die Woche Langstreckenschwimmen und spielt Tennis. Er ist nett, das sagen alle. Damals, als er zu BBDO gegangen war, habe es geheißen, er sei zu nett, so Poppema. Damals fasste er dies als Kompliment auf. Aber der Werber ist kein Visionär. Doch vielleicht wäre es genau das, was einer Marke wie Grey jetzt gerade besser täte. Man wird sehen.

Poppema hat zwar noch keine Vision, aber ein Ziel, das er in schönstem PR-Sprech formulieren kann: „Mit Grey ein weiteres Kapitel erfolgreicher Werbegeschichte schreiben“. Der 49-Jährige wird sich daran messen lassen müssen.

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