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Klare Regeln für den neuen WDR-Chef Tom Buhrow: Der Spitzenverdiener unter den Öffentlich-Rechtlichen darf für seine Tätigkeiten in Aufsichtsgremien maximal 6000 Euro behalten.
Klare Regeln für den neuen WDR-Chef Tom Buhrow: Der Spitzenverdiener unter den Öffentlich-Rechtlichen darf für seine Tätigkeiten in Aufsichtsgremien maximal 6000 Euro behalten. © Foto:WDR/Herby Sachs

Dank "Spiegel" bekannt | | von Petra Schwegler

So viel verdienen die Chefs von ARD und ZDF nebenher

Bis zu einem guten Jahresgehalt on Top: Die Intendanten von ARD und ZDF haben erstmals ihre Nebeneinkünfte offen gelegt und damit auf Recherchen des Hamburger Nachrichtenmagazins "Spiegel" reagiert. Teils mehr als 50.000 Euro nehmen die Sendergranden durch Tätigkeiten in Aufsichtsgremien von Tochterfirmen der Sender ein. Dass etwa die ehemalige WDR-Intendantin Monika Piel mehr verdient hat als der Bundespräsident – das liegt den "Spiegel"-Informationen zufolge auch am Nebenamt.

Die Details: Laut "Spiegel" hat die kürzlich aus dem Amt geschiedene Ex-WDR-Chefin Piel ihr Einkommen im vergangenen Jahr mit Aufsichtsrats-Vergütungen um 58.922 Euro aufgestockt. Beim ZDF hat Intendant Thomas Bellut 2012 immerhin 33.291 Euro dazuverdient. NDR-Chef Lutz Marmor ordnet der "Spiegel" 27.000 Euro Zusatz-Einkommen zu. Seine Kollegin vom MDR, Karola Wille, hat 2012 knapp 22.000 Euro zusätzlich eingenommen. Für SWR-Intendant Peter Boudgoust sind 14.000 neben seinem Chef-Gehalt geflossen, sogar Thomas Kleist vom ARD-Kleinstsender Saarländischer Rundfunk kann rund 16.000 Euro pro Jahr über Nebenjobs verdienen. RBB-Lenkerin Dagmar Reim verdiente laut "Spiegel" 12.000 Euro zusätzlich; ein Viertel davon hat sie allerdings gespendet.

Dem "Spiegel" zufolge gibt es Ansätze für ein Umdenken in den Spitzenpositionen bei ARD und ZDF. Als Beispiel wird Ulrich Wilhelm angeführt, der den Bayerischen Rundfunk führt und von sich aus auf seine Bezüge bei den Tochterfirmen Europool, Telepool und Bavaria Filmkunst verzichtet hat. Bei Radio Bremen bezieht demnach Intendant Jan Metzger seit März keine Vergütung mehr für seine Tätigkeit im Aufsichtsrat der Sendertochter BreMedia. Und Tom Buhrow, Ex-"Tagesthemen"-Mann mit neuem Chefposten beim WDR, mag zwar ein nochmals höheres Gehalt als Vorgängerin Monika Piel bekommen (laut "Spiegel" inklusive Dienstwagen 367.232 Euro pro Jahr). Aber der Spitzenverdiener unter den Öffentlich-Rechtlichen darf für seine Tätigkeiten in Aufsichtsgremien maximal 6000 Euro behalten.

Dass Senderchefs teils mehr verdienen als Spitzenpolitiker ist bereits vor rund zwei Jahren aufgedeckt worden, als in einer Welle von erzwungener Transparenz unter anderem Monika Piel ihren Gehaltsscheck auf den Tisch gelegt hat. Viele in der Medienbranche müssen mit dem auskommen, was die ARD-Oberen an Zuverdienst einstecken. Hier ein Einblick in das Gehaltsgefälle im Fernsehen

Übrigens: Die Kritik am teils satten Nebenverdienst lässt nicht lange auf sich warten. Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Burkhardt Müller-Sönksen etwa sagt "Focus Online: "Offensichtlich sind Sparsamkeit und Transparenz im Umgang mit Beitragsgeldern reine Lippenbekenntnisse. Wir kritisieren die in den Berichten geschilderte Praxis scharf und fordern von den Sendeanstalten klare Compliance-Vorgaben und von den Bundesländern entsprechende Klarstellungen in den Landesrundfunkgesetzen."

So viel verdienen die Chefs von ARD und ZDF nebenher

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Mehr Geld als Merkel: Buhrow löst Piel als ARD-Topverdiener ab

von Petra Schwegler

ARD und ZDF sind zwar transparenter geworden und weisen nun kontinuierlich die Gehälter ihrer Top-Manager aus. Doch weniger gezahlt wird den Intendanten nicht. Im Gegenteil: Tom Buhrow als Lenker der größten ARD-Anstalt WDR und seit vergangenem Jahr Nachfolger der bisherigen Spitzenverdienerin Monika Piel toppt diese noch bei ihrem Gehalt. Wie die "Wirtschaftswoche" in einer aktuellen Gehaltsliste aufzeigt, verdient Buhrow als neuer Intendant des Westdeutschen Rundfunks 367.232 Euro im Jahr. Seine Nebeneinkünfte sind zwar auf 6000 Euro gedeckelt. Doch sein Grundgehalt allein entspricht dem, was Piel beim WDR inklusive Nebeneinkünfte zuvor erzielt hat. Und das war schon mehr, als etwa ein deutscher Bundespräsident überwiesen bekommt. Joachim Gauck muss sich als erster Mann im Staat mit 217.000 Euro Jahreseinkommen zufrieden geben. Dafür bekommt das ARD-Reich gerade einmal einen Intendanten für eine kleinere Landesrundfunkanstalt wie den HR (Intendant Helmut Reitze verdient dort bis zu 220.000 Euro im Jahr). Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt mit 290.000 Euro Jahresgehalt dem WDR-Salär schon näher.

Monika Piel kann gut von ihrer ARD-Rente leben (WDR, Herby Sachs).

Monika Piel kann gut von ihrer ARD-Rente leben (WDR, Herby Sachs).

Die Spitzenverdienerin unter den Intendantinnen im öffentlich-rechtlichen Reich kommt nach Piels Rückzug übrigens aus dem Osten. Karola Wille vom MDR führt hier mit 243.000 Euro. Ein Sendersprecher betont, Nebeneinkünfte würde sie nicht erzielen. Derlei Zubrot haben die Intendanten 2013 erstmals in Folge von "Spiegel"-Recherchen offen gelegt. Teils mehr als 50.000 Euro nehmen die Sendergranden durch Tätigkeiten in Aufsichtsgremien von Tochterfirmen der Sender ein. Auch hier hatte die ehemalige WDR-Intendantin Monika Piel die Nase mit 58.922 Euro vorne. Beim ZDF hatte Intendant Thomas Bellut 2012 immerhin 33.291 Euro dazuverdient. NDR-Chef Lutz Marmor ordnete der "Spiegel" 27.000 Euro Zusatzeinkommen zu.

Beim BR, einem der vier großen ARD-Sender, verzichtet Ulrich Wilhelm auf Bezüge bei den Tochterfirmen Europool, Telepool und Bavaria Filmkunst. Darben muss der Ex-Regierungssprecher nicht: Mit 309.720 Euro Jahresgehalt liegt er auf Platz zwei der öffentlich-rechtlichen Spitzenverdiener. Eine Top-Rentnerin gibt es inzwischen auch: Diesen Titel führt erneut Monika Piel, die aufgrund von Senderrücklagen laut "Bild"-Berechnungen von bis zu 13.500 Euro Rente ihren Lebensabend bestreitet. Weitere solvente Rentner aus dem öffentlich-rechtlichen Reich sind zu erwarten, liegen doch einige Milliarden Euro für die Alterversorgung parat.

Ulrich Wilhelm kann auf Nebeneinkünfte verzichten ... (BR).

Ulrich Wilhelm kann auf Nebeneinkünfte verzichten ... (BR).

Dass öffentlich-rechtliche Senderchefs teils mehr verdienen als Spitzenpolitiker, ist bereits vor 2011 aufgedeckt worden, als in einer Welle von erzwungener Transparenz unter anderem Monika Piel ihren Gehaltsscheck auf den Tisch gelegt hatte. Viele in der Medienbranche müssen alleridngs mit dem auskommen, was die ARD-Oberen allein an Zuverdiensten einstecken. Hier ein Einblick in das Gehaltsgefälle im Fernsehen.

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben