
Nachrichtenseite:
Moderierte Debatte statt Kommentarhölle: SZ Online startet neuen Leserdialog
Stefan Plöchinger hat schon länger genug von der Kommentarhölle, die auf deutschen Nachrichtenseiten – ganz konkret auch auf SZ.de, dessen Chef er ist – herrscht. "Wir müssen den Leserdialog neu denken" forderte er schon im Juli. Jetzt ist es soweit und SZ.de organisiert die Kommunikation mit den Lesern neu.
Stefan Plöchinger hat schon länger genug von der Kommentarhölle, die auf deutschen Nachrichtenseiten – ganz konkret auch auf SZ.de, dessen Chef er ist – herrscht. "Wir müssen den Leserdialog neu denken" forderte er schon im Juli. Jetzt ist es soweit und SZ.de organisiert die Kommunikation mit den Lesern neu. Die Kommentar-Funktion unter den Artikeln wird abgeschaltet zugunsten zwei bis drei größeren, moderierten Debatten. Die Redaktion will sich dabei stärker einbringen und nicht mehr vor allem Kommentare freischalten oder eben nicht freischalten. Die Diskussion werde in einem eigenen Leser-Forum gebündelt, statt wie bisher unter verschiedenen Artikeln zum gleichen Thema parallel stattzufinden, schreibt Daniel Wüllner, Redakteur für den Leserdialog, in einer Vorstellung des neuen Leserdialogs. Für den neuen Leserdialog befragte SZ.de vorab die 50 aktivsten Beitragsschreiber zu möglichen Verbesserungen.
SZ.de will die Diskussion in die Sozialen Netzwerke verlagern. "Diskussion mit Ihren Freunden" steht dazu über den Share-Buttons unter den Artikeln. Außerdem soll über die Einbindung des Social-Media-Aggregators Rivva.de die Diskussion in Blogs, auf Twitter und der Facebook-Seite von SZ Online unter den Artikeln abgebildet werden.
Bei Twitter ätzt unter anderem Jochen Wegner, Chefredakteur von "Zeit Online" gegen die neue Funktion:
.@sebaso @ploechinger Ich finde, Journalisten sollten die freie Rede nicht Facebook überlassen. (Kleiner hab ich's grad nicht. :-)
— Jochen Wegner (@Jochen) 2. September 2014
Im Interview mit Turi2 erklärt Plöchinger aber, dass er es erstaunlich finde, "wie wenige Beschwerden sowohl jetzt bei der Umstellung als auch bei unserer Vorab-Umfrage unter Intensivnutzern kamen". Sein Gefühl sei ohnehin, dass viele Leser vor allem ein Problem mit dem "Diskussionsniveau in Social Networks und in den Foren der Nachrichtenseiten haben – und denselben Punkt sehen wie wir."
Der Verlag Werben & Verkaufen ist ein Tochterunternehmen des Süddeutschen Verlags, in dem die "SZ" erscheint.