Die Schokoladenmarke ist in Ostdeutschland bekannt wie der berĂŒhmte bunte Hund: Je nach Umfrage können um die 92 bis 94 Prozent der Befragten mit dem Begriff Halloren etwas anfangen.
Die Schokoladenmarke ist in Ostdeutschland bekannt wie der berĂŒhmte bunte Hund: Je nach Umfrage können um die 92 bis 94 Prozent der Befragten mit dem Begriff Halloren etwas anfangen. © Foto:Fotos: Halloren

Pralinen | | von Heiko Kunzmann

Halloren: Schokoladige Erfolgsmarke aus dem Osten

Diese Kugel schmeckt und schmeckt und schmeckt, und das ohne große Werbung: Halloren-Pralinen verkaufen sich wie geschnitten Brot, und die in Halle an der Saale beheimatete Halloren Schokoladenfabrik AG verzeichnet immer wieder ein großes Umsatzplus. Eine Leckerei, die zu Hause in Ostdeutschland vielleicht bekannter ist als der Papst, inzwischen den Westen ĂŒberrollt hat – und nebenbei aus der wohl Ă€ltesten Schokofabrik Deutschlands kommt.

Die VerkĂ€uferin im Mainzer Supermarkt hat ein gutes GedĂ€chtnis: „Zwei Mark fĂŒnfundzwanzig kamen die damals“, erinnert sie sich, als sie die Packung Halloren-Kugeln ĂŒber den Scanner zieht. „Aber man musste GlĂŒck haben, die gab’s nicht immer“, erzĂ€hlt die Frau, die zu DDR-Zeiten in einem Laden in Görlitz gearbeitet hat und nach der Wende ins Rheinhessische zog. Hallorenkugeln wurden gern genascht und waren gern auch mal knapp. Der Appetit auf die sĂŒĂŸen Dinger ist geblieben, und abgesehen von einer bunteren Verpackung ist die Wende an der dunkelbraunen Kugel fast spurlos vorbeigegangen. Nur die Zahl der Sorten hat sich vervielfacht: Zur klassischen Hallorenpraline -halb mit Sahne und halb mit Kakao gefĂŒllt -kamen noch gut ein Dutzend Geschmacksrichtungen dazu.

Die Praline ist eine von wenigen DDR-Marken, die es geschafft haben. Ziemlich erstaunlich angesichts der fast erdrĂŒckenden Westkonkurrenz und der Tatsache, dass der Schoko-Appetit der Deutschen seit Jahren ungefĂ€hr gleich bleibt. Doch Werbung fĂŒr Hallorenkugeln? Suchen sie mal! Keine Illustriertenanzeige, keine Radio- oder Fernsehspots, rein gar nichts. „So ganz stimmt das nicht, wir machen schon Werbung“, korrigiert Marketingleiterin Jana Götte den Eindruck, „aber wir gehen da sehr zielgerichtet vor.“ Radio und TV sind fĂŒr einen 600-Mann-MittelstĂ€ndler wie Halloren zu teuer, doch man werbe mit Plakaten und mit Printwerbung im B-to-B-Bereich, vor allem in Fachzeitschriften wie etwa „Lebensmittelpraxis“. Außerdem zĂ€hlt Jana Götte die Gewinnspiele mit regionalen Radiosendern auf, das Schokoladenmuseum mit dem Schokoladenzimmer – die Inneneinrichtung: mehr als anderthalb Tonnen Schokolade und Marzipan. 100.000 Besucher pro Jahr, das sei doch auch Werbung.

Sonderedition zum 60-jÀhrigen JubilÀum.

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Ein Großkunde der Werbebranche sind die Hallenser also nicht: „Wir haben keine Haus- und Hofagentur“, erzĂ€hlt Jana Götte, „Werbeideen entstehen bei uns eher aus dem Haus heraus“. In einem mittelstĂ€ndischen Betrieb sei das dank flacher Hierarchien und kurzer Wege alles sehr unkompliziert, lobt sie. „Je nach Bedarf beschĂ€ftigen wir mal eine Agentur zum Design von Verpackungen oder fĂŒr Plakataktionen.“ Mit denen arbeite man kontinuierlich zusammen, Namen nennt Jana Götte jedoch keine. „Unser Marketing ist ansonsten vor allem mit dem Produktmanagement befasst.“ Das sind mit ihr insgesamt fĂŒnf Leute. Nicht unbedingt ĂŒppig also - was macht Halloren aber dann bekannt?

Vielleicht sind es spektakulĂ€re Aktionen wie die wohl grĂ¶ĂŸten Katzenzunge der Welt (112 Kilogramm schwer, 1,82 Meter lang und 52 Zentimeter breit) im Jahr 2005, die Rolle als Hoflieferant fĂŒr die Hochzeit von Schwedens Kronprinzessin Victoria 2010 oder die Kreation einer „Playboy“-Praline 2012. Die beiden letzteren AuftrĂ€ge zogen die Kugelmacher ĂŒbrigens an Land, weil sie durch eine spezielle Technologie hauchdĂŒnne SchokohĂŒlsen herstellen können - als einer von wenigen Pralinenmachern.

Vorstandschef Klaus Lellé

Vorstandschef Klaus Lellé

Außerdem sind die SĂŒĂŸfabrikanten in Ostdeutschland bekannt wie der berĂŒhmte bunte Hund: Je nach Umfrage können um die 92 bis 94 Prozent der Befragten mit dem Begriff Halloren etwas anfangen. Auf solche Werte kommt sonst wohl nur noch Angela Merkel. Die Ost-NaschmĂ€uler sind ein ziemlich großes Pfund fĂŒr Halloren: „Deren Empfehlungen machen einiges aus, wir hören immer wieder von Leuten, dass sie auf diese Weise auf den Geschmack gekommen sind,“ erzĂ€hlt Jana Götte.

Selbst der grĂ¶ĂŸte Schoko-Appetit aber hĂ€tte den Umsatz der Halloren-Macher nicht von fast 15 Millionen Euro im Jahr 2003 auf fast 90 Millionen Euro 2012 gesteigert. Dass es in Halle brummt, wird vor allem auch dem pfiffigen Vorstandschef Klaus LellĂ© zugute geschrieben. Seit der gelernte Banker 1997 das Zepter ĂŒbernahm, wurde modernisiert, hat man Anleihen aufgelegt, der Schoko-Zwerg ging an die Börse und kaufte wiederholt andere Betriebe dazu: Ganz frisch: Die Beteiligung an dem belgischen Pralinenhersteller Bouchard, einem Premiumproduzenten. Und seit 2008 produzieren die Hallenser als Einzige auch fĂŒr die Premium-Marke Mövenpick.

Es ist also auch da Halloren drin, wo nicht unbedingt Halloren draufsteht. Vielleicht neben der wenigen Werbung auch ein Grund dafĂŒr, dass zwischen Hamburg und Bodensee noch mancher fragt: Hallo-was? Und dass von der großen Produktpalette nur die Hallorenkugel einigermaßen bekannt ist. Mancher Schokofan empfindet sie als zu sĂŒĂŸ und zu zuckrig, auch andere Geschmacksrichtungen munden nicht jedem Fan: Die Erdbeer-Joghurt-Mischung schmecke sehr kĂŒnstlich und irgendwie muffig, schreibt eine Userin auf der Facebook-Seite der Halloren Schokoladenfabrik. Eine der wenigen Kritiken auf der Seite – die meisten loben die Kugeln und naschen.

Schokoladenmuseum mit dem Schokoladenzimmer – die Inneneinrichtung: mehr als anderthalb Tonnen Schokolade und Marzipan.

Schokoladenmuseum mit dem Schokoladenzimmer – die Inneneinrichtung: mehr als anderthalb Tonnen Schokolade und Marzipan.

Halloren: Schokoladige Erfolgsmarke aus dem Osten

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