Philip Rooke kam 2009 zu Spreadshirt. Seit 2011 ist er CEO.
Philip Rooke kam 2009 zu Spreadshirt. Seit 2011 ist er CEO. © Foto:

Spreadshirt-Chef Philip Rooke | | von Uli Busch

"Am Wochenende trage ich Anzug und Krawatte beim Abendessen"

T-Shirts selbst gestalten? Im Internet? Als Spreadshirt 2002 gegründet wurde, galt das Geschäftsmodell als ziemlich schräg. Heute ist das Leipziger Unternehmen Marktführer in Europa und weltweit in 17 Ländern und neun Sprachen präsent. Seit 2011 ist der Brite Philip Rooke Vorstandschef. Im Interview mit dem W&V-Blog Markenschau spricht der T-Shirt-König über Anzüge am Wochenende, digitalen Darwinismus und das, was er "Business Sex" nennt.

Herr Rooke, mal aus dem Nähkästchen geplaudert: Wie viele T-Shirts haben Sie zuhause in Ihrem Kleiderschrank?

Ehrlich gesagt: Ich weiß es gar nicht so genau. Ich habe eine spezielle Schublade nur für T-Shirts. Wenn sie voll ist, wird einfach ein altes T-Shirt aussortiert. So behalte ich den Überblick. Angesichts der immer größeren Auswahl bei Spreadshirt habe ich nun auch eine extra Schublade für Hoodies und eine stetig wachsende Sammlung an iPad- und iPhone Hüllen.

Bügeln Sie, oder wandern die T-Shirts direkt aus dem Trockner in den Kleiderschrank?

Schon aus ökologischen Gründen kommen bei mir die T-Shirts niemals in den Trockner. Wenn man T-Shirts ordentlich zum Trocknen aufhängt, müssen sie glücklicherweise gar nicht mehr gebügelt werden. Ich hasse bügeln!

Was ist Ihr aktuelles Lieblingsmotiv?

Es sind gleich zwei: "Keep calm and sell T-Shirts" und "I love you but I have chosen disco".

Gibt es Anlässe, bei denen auch ein Spreadshirt-CEO das T-Shirt im Schrank lässt?

Kleidung ist ein Ausdrucksmittel und tief in meinem Inneren bin ich noch traditioneller Brite. Daher trage ich am Wochenende auch häufig förmliche Kleidung, sogar Anzug und Krawatte beim Abendessen.

Wenn Sie ein T-Shirt für die Marke Spreadshirt designen würden, wie würde es aussehen?

Einfach ein "I Heart" mit einem Herz, da die Marke ausdrückt, was man liebt.

Wer ist auf Ihrer Plattform hauptsächlich aktiv: in erster Linie die Kids, die auf RTL2 "Berlin Tag und Nacht" gucken oder ist es die junge digitale Elite, die eigene Youtube-Channels betreibt?

Die meisten unserer Kunden sind über 25 Jahre alt und entwerfen oder kaufen interessante Designs. Mütter, Väter, Teams, Kreative – das Spektrum ist breit.

Spreadshirt war bis vor kurzem mit einer TV-Kampagne präsent. Funktioniert Markenbildung für ein E-Commerce-Unternehmen auch ohne klassische Werbung?

Ja, wir sind auch ohne TV-Werbung erfolgreich. Allerdings kann Spreadshirt durch Fernsehen eine bestimmte, schwerer allein über das Web zu erreichende Zielgruppe ansprechen und auch somit die Online-Anfragen steigern. Das gilt erst recht in Zeiten der Second-Screen-Nutzung.

Zum Start wurde Spreadshirt ein "unrealistisches Geschäftsmodell" beschieden, inzwischen sind Sie weltweit auf Expansionskurs, was brachte den Durchbruch?

Dafür gibt es keine Zauberformel: Im Endeffekt sind es zehn Jahre harte Arbeit und der klare Fokus auf die Kundenorientierung. Ähnliche Prognosen wurden übrigens auch Amazon, Facebook und sogar Google ausgestellt. In allen Fällen zeigt sich: Wenn man etwas anbietet, was der Verbraucher liebt, dann existiert auch ein Markt dafür.

Spreadshirt wächst aktuell im Jahresvergleich um über 40 Prozent. Wie lange werden Sie solche Wachstumsraten noch halten können?

Ganz einfach die eigenen Produkte designen und neue Ideen und Inspiration für alles was, einen interessiert, bei Spreadshirt finden – viele Endverbraucher in Europa ziehen das noch gar nicht in Betracht. Das Potential ist also riesig. Und viele Unternehmen haben die immensen Vermarktungs- und Merchandising-Vorteile unserer Plattform noch nicht erkannt. Wenn das Verständnis dieser Möglichkeiten eine kritische Masse überschreitet, werden uns 40 Prozent Wachstum lächerlich gering erscheinen.

Wie sehen Sie es als CEO: Ist Spreadshirt noch hip oder schon Mainstream?

Spreadshirt ist zwar inzwischen den Kinderschuhen entwachsen, aber noch lange nicht alt und langweilig. Wir stehen erst am Anfang und erfinden uns stetig neu.

Auf einer Veranstaltung von W&V empfahlen Sie neulich "Business Sex", um ein Unternehmen auf Kurs zu halten. Klären Sie uns auf, was es damit auf sich hat?

Jedes Unternehmen muss kontinuierlich für die Evolution seiner DNA sorgen – das heißt die Fähigkeiten und das Wissen des Teams weiterentwickeln. Business Sex  bedeutet, neue DNA von außen ins Unternehmen zu bringen, aber auch Mitarbeitern neue Positionen zuzuweisen.

Ein anderes Schlagwort von Ihnen ist "Digitaler Darwinismus" und fordert die schnelle Anpassungsfähigkeit von Unternehmen im digitalen Zeitalter. Verraten Sie uns, wie sich Spreadshirt seit Ihrem  Antritt als CEO ganz konkret verändert hat?

Als ich begann, war Spreadshirt sehr auf sich selbst, das Businessmodell und seine Funktionen fokussiert. Es wurde darüber diskutiert, ob wir Mode- oder Vermarktungs-Plattform waren. Jetzt sind wir sehr kundenorientiert aufgestellt. So lange die Kunden den Service bekommen, den sie möchten, ist die Formulierung des Geschäftsmodells nachrangig.   

Wer Spreadshirt googelt, trifft immer wieder auch auf sie: Stefanie Häußler, die "Feel-Good-Managerin" von Spreadshirt. Überwacht sie auch, ob der Vorstand von Spreadshirt mit gutem Beispiel voran geht und seine Work-Life-Balance einhält?

Autsch. Ich liebe einfach meine Arbeit, mein Team und ich liebe das Feedback unserer Kunden. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich wohl glatt noch eine Firma gründen. Ich glaube, selbst Stefanie könnte mich in diesem Fall nicht davon abhalten. Wie auch immer, sie macht mein Team glücklich und das macht mich glücklich.  

"Am Wochenende trage ich Anzug und Krawatte beim Abendessen"

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