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Hunde im Büro: Wie Agenturen damit umgehen
Der Büro-Streit um den dreibeinigen Agenturhund aus Düsseldorf hat es bis in die "Bild"-Zeitung geschafft. W&V Online hat sich bei großen deutschen Agenturen umgehört: Wie halten sie es mit Tieren im Office?
Hundekraulen im Büro soll den Blutdruck senken. Hunde können das Betriebsklima verbessern. Menschen können aber auch Angst vor Hunden haben oder allergisch reagieren. Ob das Haustier mit ins Büro darf oder nicht, ist daher keine leichte Entscheidung. Besonders schwierig wird sie, wenn der Hund schwierig ist. Wie die "Wirtschaftswoche" online berichtet, musste sich das Arbeitsgericht Düsseldorf am 24. April mit einem solchen Exemplar beschäftigen, das regelmäßig in einer Werbeagentur ein und aus geht und nun ausgesperrt werden soll. Ein erster Güte-Termin scheiterte, das Unternehmen will jetzt offenbar weitere Zeugen befragen lassen. Um welche Agentur es sich dabei handelt, ist nicht bekannt. Grey ist es nicht, wie CEO Dickjan Poppema in einem Kommentar unter dem "WiWo"-Artikel erklärte. "Bild" hat den Agentur-Chef im Arbeitsgericht fotografiert und das Foto mit "Tim J. (44), Chef einer Werbeagentur" beschriftet. Für Insider ist er damit leicht identifizierbar. Auf eine Anfrage von W&V Online hat die betreffende Agentur bislang nicht geantwortet.
W&V Online hat bei Agenturen nachgefragt, wie sie es mit den Hunden halten. Wo sie erlaubt sind, gilt meist, dass sich alle betroffenen Kollegen und Vorgesetzten einverstanden erklären müssen, damit ein Hundehalter sein Tier mitbringen darf. So ist das beispielsweise in den Büros von DDB Tribal, Jung von Matt, Scholz & Friends oder Grey.
Dickjan Poppema betont, die Bedingung sei, dass sich Hunde wie Halter mit Rücksicht auf Büro-Nachbarn an einige Grundregeln halten. "Aber damit haben wir bislang nur positive Erfahrungen gemacht". In der Agentur gibt es 15 Hunde, die regelmäßig ihre Herrchen oder Frauchen zur Arbeit begleiten.
Beim BBDO-Hauptstandort in Düsseldorf gibt es dazu sogar eine Betriebsvereinbarung. Danach sind "Bürohunde" in den Agenturräumlichkeiten erlaubt, wenn Kollegen und Vorgesetzte einverstanden sind. Der Hund muss allerdings einen festen Platz im Büro des Besitzers haben, etwa ein Körbchen oder eine Decke. Und das Büro muss ausreichend belüftet sein. Meetings, Konferenzräume, Etagenküchen und Kantine sind tabu für die Tiere.
Thomas Strerath, CEO von Ogilvy & Mather Germany, der selbst einen Hund aus einem Tierheim auf Mallorca mitgenommen hat, will das Mitbringen weder explizit erlauben noch verbieten. Zwar wedeln auch in allen Ogilvy-Standorten Hunde durch die Büros, in denen die betroffenen Kollegen zugestimmt haben. Es gibt aber keine offizielle Erlaubnis, damit sich nicht Mitarbeiter einen Hund anschaffen, die eigentlich keine Zeit dafür haben. Einen Hund, Vollzeit im Büro sitzen oder liegen zu lassen, hält Strerath im Interesse des Hundes auch nicht für angebracht.
Roland Bös, Sprecher der Geschäftsführung von Scholz & Friends Hamburg, sieht das ähnlich. "Ich persönlich denke, dass sich die Tiere – im Hamburger Office aktuell sechs – wohler fühlen, wenn sie nicht jeden Tag ins Büro müssen. Denn wie sich Herrchen über eine ausgeglichene Work-Life-Balance freut, sollte man diese erst recht seinem Liebling gönnen."